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© BMUKN/Sascha Hilgers

Gesunde Ökosysteme – zentraler Hebel für Klimaschutz, Sicherheit und Wohlstand

WBNK übergibt Stellungnahme zur Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz an den Bundesumweltminister

Berlin, 31.07.2025 – Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz (WBNK) hat seine aktuelle Stellungnahme „Optionen zur Weiterentwicklung des ANK“ am 30.07.2025 an den Bundesumweltminister Carsten Schneider über­reicht. Die Vorsitzenden Anke Herold und Prof. Dr. Matthias Drösler betonten bei der Übergabe das große Potenzial von Mooren, Wäldern und der Agrarlandschaft für die Minderung von Treibhausgasemissionen und die CO2-Speicherung. Daneben bieten auch Auen, Küsten und Meere sowie Siedlungen und Schutzgebiete Potenziale für Klimaschutz, Klimaanpassung und Erhalt der Biodiversität. Die Inhalte der Stellung­nahme unterstützen die Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK).

„Der Natürliche Klimaschutz ist ein zentrales Instrument, um die Klimaziele Deutschlands zu erreichen. Unsere Empfehlungen zeigen, wo kurzfristig und mit hoher Wirksamkeit Emissionen reduziert und CO₂ gebunden werden kann“, erklärt Anke Herold, Co-Vorsitzende des WBNK. „Wiedervernässte Moore, naturnahe Wälder und Bäume in der Agrarlandschaft haben immenses Klimaschutzpotenzial. Mit ambitio­nierten Zielen und den richtigen Anreizen können wir dieses Potenzial nutzen“, ergänzt Prof. Dr. Matthias Drösler, ebenfalls Co-Vorsitzender des WBNK.

Natürlicher Klimaschutz stärkt die Klimaschutzwirkung von Ökosystemen und verbessert die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel – im Einklang mit dem Schutz der Biodiversität. Das ANK schafft hierfür notwendige finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen und soll mit praxisnahen und innovativen Ansätzen die schnelle Umsetzung von Maßnahmen für mehr natürlichen Klimaschutz und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Moore: Nass bewirtschaften und größtes Einsparpotenzial nutzen

Die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moore hat ein enormes Potenzial für den Klimaschutz. Als Ziel empfiehlt der WBNK, bis 2045 rund 80 Prozent dieser Flächen wiederzuvernässen – das entspricht etwa einer Million Hektar. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es finanzielle Anreize für Landwirtinnen und Landwirte, neue Wert­schöpfungsketten für Produkte aus Land- und Forstwirtschaft auf nassen Moorböden (Paludikulturen) und geeignete gesetzliche und institutionelle Rahmenbedingungen. Wieder­vernässung muss sich darüber hinaus auf weitere Nutzungen wie Wald auf Moorböden erstrecken, um das Klimaschutzpotenzial zu heben.

Wälder: Mehr Anpassung und ökosystemschonende Nutzung bedeuten mehr Klimaschutz

Wälder sind unverzichtbar für die Erreichung der Klimaziele Deutschlands. Der WBNK empfiehlt, deren Anpassung an den Klimawandel zu verstärken, sei es durch natürliche Entwicklung, wo möglich, oder aktives Manage­ment, wo nötig. Wenn sich Bund, Länder und Kommunen gemeinsam dafür einsetzen, könnte darüber hinaus auf die Nutzung von über 110.000 Hektar alter Buchenwälder verzichtet werden. Schließlich sollte ein ökosystem­schonendes Waldmanagement und der Bodenschutz sowie die Nutzung langlebiger Holzprodukte besser honoriert werden.

Mineralische Böden: Humusaufbau und Bäume in die Agrarlandschaft

Landwirtschaftliche Böden bieten ein großes Potenzial für den Klimaschutz – vor allem durch den Aufbau und Erhalt von Humus, die Pflanzung von Hecken sowie den Anbau von Bäumen auf Agrarflächen. Agroforstsysteme – also die Etablierung von Gehölzen auf Acker- und Grünlandflächen – leisten einen mehrfachen Beitrag: Sie speichern CO2, machen Landwirt­schaft widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Erosion und Extremwetter und erhöhen die Biodiversität in den Agrarlandschaften.

Natürlicher Klimaschutz verbindet Stadt, Land, Wasser und Wildnis

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz ist als ganzheitliches Programm angelegt, das alle relevanten Lebensräume und Nutzungs­formen umfasst. Der WBNK hat dementsprechend für all diese Bereiche Empfehlungen ausgesprochen, um die Potenziale des Natürlichen Klimaschutzes umfassend zu erschließen. So spricht sich der Beirat dafür aus, Siedlungsräume durch Begrünung, Entsiegelung und eine klima­angepasste Stadtentwicklung unter aktiver Beteiligung der lokalen Bevöl­kerung in den Klimaschutz einzubinden. Für natürliche Gewässer und Auen empfiehlt der WBNK Maßnahmen zur Wiederherstellung naturnaher Gewässerdynamik sowie zur gezielten Stärkung ihrer vielfältigen Ökosystem­leistungen. An Küsten und in Meeresgebieten hebt er die Bedeutung des Schutzes und der Wiederherstellung mariner Kohlen­stoffsenken hervor. Und nicht zuletzt unterstreicht der Beirat die Rolle von Wildnis- und Schutz­gebieten, etwa durch Biotopvernetzung, Renaturierung und die systematische Integration von Klimaschutz in das Schutzgebiets­management.

Mit seinen Empfehlungen gibt der WBNK Impulse für die Weiter­entwicklung des ANK – als strategische Chance, den Natürlichen Klimaschutz in Deutsch­land dauerhaft zu verankern und so zur Erreichung der Klimaziele im LULUCF-Bereich beizutragen.

Über den WBNK


Der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Gremium aus 16 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, das das Bundesumweltministerium unabhängig in Fragen des Natürlichen Klimaschutzes berät und die Umsetzung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz wissenschaftlich begleitet. Die Beiräte wurden am 19. März 2024 berufen.

Die Mitglieder des WBNK sind Anke Herold, Matthias Drösler, Antje Boetius, Andreas Bolte, Mariele Evers, Andreas Gattinger, Harald Grethe, Rieke Hansen, Pierre L. Ibisch, Wolfgang Köck, Julia Pongratz, Katrin Rehdanz, Josef Settele, Franziska Tanneberger, Vicky M. Temperton, Michael Zschiesche. Sie wurden am 19. März 2024 für drei Jahre berufen.