
Studie veröffentlicht: Dauergrünland für Lebensmittelerzeugung, Natur- und Klimaschutz in Wert setzen
21. Mai 2026 – Wie kann Grünland gleichzeitig das Klima schützen, die Artenvielfalt fördern und nachhaltige Landwirtschaft ermöglichen? Die aktuelle Studie von Professor Dr. Friedhelm Taube plädiert für einen grundlegenden Wandel in der Grünlandbewirtschaftung – und zeigt neue Perspektiven für die Milch- und Fleischproduktion auf.
Die heutige Milch- und Fleischproduktion prägt maßgeblich die Nutzung von Grünland auf mineralischen Böden. In den vergangenen Jahrzehnten führte dies vielerorts zu einer intensiveren Bewirtschaftung mit steigenden Emissionen und zum Verlust von Artenvielfalt. Gleichzeitig gingen Grünlandflächen zurück, und die Bedeutung von Grünland als Futterquelle nahm ab – mit weiteren negativen Folgen für den Natürlichen Klimaschutz.
Dauergrünland darf deshalb nicht allein als landwirtschaftliche Produktionsfläche betrachtet werden. Vielmehr braucht es einen Ansatz, der Landwirtschaft, Klimaschutz, Biodiversität, Wasser- und Bodenschutz sowie Ernährungssicherung gemeinsam berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Dr. Friedhelm Taube (Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) in seiner Studie „Dauergrünland für Lebensmittelerzeugung, Natur- und Klimaschutz in Wert setzen“.
Der Autor empfiehlt eine aktive Inwertsetzung des Dauergrünlands, deren Leistungen wirtschaftlich vergütet und förderpolitisch abgesichert werden. Denn Grünland speichert deutlich mehr Kohlenstoff als Ackerflächen, schützt Böden und Wasserressourcen, fördert die Biodiversität und liefert Futtermittel, ohne direkt mit dem Ackerbau für die menschliche Ernährung zu konkurrieren.
Paradigmenwechsel in der Grünlandbewirtschaftung
Taube geht es um einen Paradigmenwechsel in der zukünftigen Grünland-Bewirtschaftung, der für den Erhalt von Grünlandböden als Kohlenstoffspeicher zentral ist. Er betont die Vorteile einer semi-intensiven Nutzung von Grünland für die Milch- und Fleischproduktion mit mindestens 70 Prozent Grünlandfutter in der Futterration. Dabei bleibt die Nutzungsintensität für Weide- und Schnittnutzung relativ hoch, gleichzeitig wird die Düngung moderater, um so Artenvielfalt und Futterqualität hoch und Methanemissionen aus der Wiederkäuerverdauung möglichst gering zu halten. In einer Gesamtbewertung kommt der Autor zu dem Ergebnis, dass die positiven Effekte einer solchen Nutzungsform überwiegen und sie mit verringerten Treibhausgas-Fußabdrücken vergleichsweise nachhaltig ist.
Das ist Grünland
Als Grünland auf mineralischem Boden wird ein Spektrum an verschiedenen Offenland-Ökosystemtypen verstanden, die bei standortangepasstem Management (Beweidung, Mahd) sowohl für den Klima- und Biodiversitätsschutz, für Klimaanpassung als auch für eine nachhaltige, gesunde Nahrungsmittelproduktion wichtig sind. Etwa die Hälfte des prämienberechtigten Dauergrünlands wird derzeit hochintensiv für die Milchproduktion bewirtschaftet. Die andere Hälfte wird, zu unterschiedlichen Flächenanteilen, eher mesophilem und artenreicherem Grünland zugeordnet, sowie als Grünland mit hohem Naturschutzwert eingestuft, zum Beispiel weil darauf seltene Arten vorkommen.
Nach Einschätzung Taubes sollte die Konkurrenz mit Ackerflächen für die menschliche Ernährung in der Milch- und Fleischproduktion aufgelöst und zugunsten des Grünlands neu bewertet werden. Nutztiere sollen wieder stärker auf der Weide und mit regional erzeugtem Grünlandfutter versorgt werden. Rindfleisch versteht der Autor dabei vor allem als Koppelprodukt der Milcherzeugung – mit positiven Effekten für Ressourceneffizienz und Tierwohl.
Eine semi-intensive Grünlandnutzung bedeutet hohe Nutzungshäufigkeit bei reduzierter Düngung. Dies bietet Vorteile für die Biodiversität: Durch die reduzierte Düngung gewinnen Leguminosen, wie zum Beispiel Weißklee, an Bedeutung im Bestand und stellen Blühhabitate für Insekten bereit – insbesondere für Wildbienen. Die hohe Nutzungshäufigkeit ist notwendig, um energie- und eiweißreiches Futter zu erzeugen und so die Treibhausgasemissionen niedrig zu halten. Wird dies mit Altgrasstreifen auf 5–10 Prozent der Fläche kombiniert, erhöht sich der Biodiversitätswert über diese Streifen, die sich zu Wiesengesellschaften entwickeln können, noch einmal deutlich.
Außerdem senkt eine reduzierte Düngung die Nitratauswaschung und reduziert Lachgasemissionen pro Hektar. Weidetiere schaffen zusätzliche Lebensräume, indem sie selektiv fressen und Dungfladen und Urin getrennt absetzen. Hierdurch wird weiterer Lebensraum für viele Arten geschaffen. Entscheidend ist dabei jedoch nicht nur die Betrachtung einzelner Flächen, sondern der gesamte Landschaftsraum.
Grünland-Studie als Grundlage für Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats für Natürlichen Klimaschutz
Die Studie bündelt erstmals wissenschaftliche Literatur, statistische Daten, Projektergebnisse sowie Einschätzungen von Expertinnen und Experten zu einem umfassenden Bild der Nutzung von Dauergrünland auf mineralischen Böden in Deutschland. Die Vorschläge Taubes zeigen, wie sich Natürlicher Klimaschutz mit einer nachhaltigen Milch- und Fleischproduktion verbinden lässt. Gleichzeitig wird deutlich, welch zentrale Rolle zukünftige Förderprogramme für die Transformation der Landwirtschaft spielen.
Auf der Grundlage der Studie von Professor Taube wird der Wissenschaftliche Beirat für Natürlichen Klimaschutz im Sommer eine Stellungnahme zur Stärkung des Beitrags von Grünland auf mineralischen Böden zum Klima- und Biodiversitätsschutz in Deutschland veröffentlichen.
